CMD und Fehlbiss bedingen Migräne oder Rückenschmerzen

CMD und Fehlbiss bedingen Migräne oder Rückenschmerzen

Sie haben häufig Migräne oder Schwindelanfälle? Leiden an Tinnitus, Nackenverspannungen, Rückenschmerzen oder gar Problemen beim Gehen? Und keiner kann die Ursache finden? Lassen Sie einen versierten Zahnarzt mal intensiv Ihr Kiefergelenk analysieren. Oft steckt ein Fehlbiss hinter all den Beschwerden. Wir erklären Ihnen, warum.

Es ist eine Kaskade des Schmerzes: Er beginnt im Mund, zieht sich über Nacken und Rücken bis hinunter in die Hüfte. Viele Patienten plagen sich jahrelang damit, ohne dass ihnen ein Arzt helfen kann. Nur nur wenige Mediziner schauen den Menschen ganzheitlich an und kommen auf Idee, sich auch das Kiefergelenk zu betrachten. Doch gerade hier steckt des “Pudels Kern”: Das Stichwort hierzu lautet Craniomandibuläre Dysfunktion.

CMD – was ist das?

Eine Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) kann nicht mit exakt definierten Symptomen beschrieben werden. Vielmehr schließt sie eine Vielzahl an Beschwerden ein, die aufgrund einer Fehlstellung des Kiefergelenks entstehen. Schmerzhafte Auswirkungen wie Migräne gehören genauso dazu wie weniger schmerzende, aber nichtsdestotrotz nachteilige Wirkungen wie Schwindelgefühle oder ein Tinnitus.

Das gesamte Craniomandibuläre System umfasst nicht nur das Kiefergelenk, sondern auch die Zähne des Ober- und Unterkiefers sowie auch die Kaumuskulatur. Ist also in diesem kompletten System etwas nicht in Balance – und am häufigsten ist davon der nicht symmetrische Ober- und Unterkiefer betroffen –, dann hat das weitreichende Folgen.

Der Fehlbiss: Wenn Oberkiefer und Unterkiefer nicht passen

Unser Gebiss ist so aufgebaut, dass jeder Zahn sozusagen einen Zwilling hat. Sie stehen sich im Ober- und Unterkiefer immer gegenüber – 16 oben und 16 unten (wenn denn alle Weisheitszähne dabei sind). Ist der Mund fest geschlossen oder beißt man zu, dann liegen sie passgenau übereinander. Im Seitenzahnbereich ist dies wirklich eins zu eins der Fall; im Frontzahnbereich steht der Oberkiefer leicht vor dem Unterkiefer.
Man kennt das von einer Zahnfüllung: Stimmt da etwas nicht, wenn man die Zähne aufeinander drückt, merkt man es sofort. Der Zahnarzt arbeitet so lange nach, bis der Patient sich mit der Füllung wohl fühlt.

Kommt nun das Gebiss aus dem Gleichgewicht, weil eventuell ein Zahn verloren geht oder gezogen werden muss, hängt sein Zwilling in der Luft. Ein Fehlbiss ist entstanden. Und das wirkt sich auf den kompletten Kauapparat aus. Denn nun wird der Druck beim Kauen nicht mehr gleichmäßig verteilt und die Muskeln werden unterschiedlich beansprucht. Automatisch ändert der Betroffene dabei die Kopfhaltung – und damit die komplette Körperhaltung.

Ein falscher Biss kommt allerdings nicht nur durch Zahnverlust zustande. Er kann auch angeboren sein, zum Beispiel wenn der Unterkiefer zu klein ausfällt.
Eine dritte Möglichkeit ist ein nicht korrekt gesetzter Zahnersatz. Hier ist vor allem an Implantate zu denken: Ein schief eingebrachtes Zahnimplantat oder eines, was zu kurz bzw. zu lang ist, bedingt ebenfalls eine Dysbalance beim Kauen.
Der Grund der Probleme kann ebenso in zu hohen oder zu niedrigen Brücken, Kronen und Füllungen liegen
Übrigens passen auch nach kieferorthopädischen Behandlungen obere und untere Zahnreihen oftmals nicht perfekt zusammen.

Und nicht zuletzt kommt Stress als Auslöser in Frage: Der Mensch verarbeitet das im Schlaf, was ihn tagsüber beschäftigt hat. Dabei spielt die Kaumuskulatur ein Rolle, die eben nicht schläft, sondern weiter in Bewegung ist. Wer seine Zähne zu fest presst, riskiert Zahnfrakturen oder Zahnabrieb. Folge: Die Zähne passen nicht mehr optimal aufeinander.

Symptome und Folgen von CMD

So kann eine kleine Ursache – ein Zahn fehlt – eine große Wirkung nach sich ziehen. Es beginnt eventuell mit Verspannungen im Nacken. Denn stimmt der Biss nicht, sucht die Kaumuskulatur einen Ausweg, der in verstärktem Zubeißen liegen kann. Dieser erhöhte Druck breitet sich bis auf die Nackenmuskulatur aus. Das wiederum zieht Spannungskopfschmerzen oder Migräne nach sich.

Unser Kiefer ist nämlich durch Nerven und Muskeln eng mit der Halswirbelsäule verbunden
Und wenn der Biss nicht stimmt, wird die Kaumuskulatur überstrapaziert.
Auch nach unten dehnt sich die Pein manchmal aus. Rückenschmerzen sind ein häufiges Phänomen bei CMD, ebenso Schmerzen in Hüfte oder Knie. Warum ist da so? Tut der Nacken weh, nimmt der Körper eine Schonhaltung ein, was dem Rücken natürlich nicht zuträglich ist.

Therapie von CMD und falschem Biss

Wird die Ursache der vom Kiefergelenk ausgehenden Beschwerden erst einmal festgestellt, kann die Behandlung relativ leicht und schnell erfolgen.

Zahnersatz korrigieren lassen

Ist der Zahnersatz nachweislich schuld, muss er erneuert werden. Lassen Sie sich nicht von nur einer Zahnarztmeinung verunsichern. Treten oben genannte Symptome nach dem Einsetzen des Zahnersatzes auf, sollten Sie unbedingt kontrollieren lassen, ob Ihre Implantate oder Ihre Prothese korrekt sitzen. Und holen Sie sich bei Bedarf eine Zweitmeinung ein, was Ihr gutes Recht ist!

Bei fehlenden Zähnen empfiehlt sich natürlich, diese zu ersetzen. Das führt zu einer Balance des Kiefers und damit auch zu ausgeglichenen Bewegungen beim Kauen.

Aufbissschiene zur Entlastung

Haben Sie von Geburt an einen nicht passenden Ober- und Unterkiefer, muss individuell entschieden werden, ob eine Operation hilfreich ist.
Besteht nur eine leichte Asymmetrie kann auch mit einer sogenannten Aufbissschiene oder auch Okklusionsschiene Linderung erfolgen. Dafür werden Modellabdrücke Ihres Kiefers genommen, um daraus passgenau ein oder zwei Schienen aus flexiblem, transparentem Kunststoff zu fertigen, die meistens – jedoch nicht immer – nachts getragen werden. Es ist Ihnen eventuell vom Zähneknirschen (Bruxismus) bekannt, bei dem ebenso in der Behandlung eine Schiene verwendet wird.

Das Wirkprinzip ist auch das Gleiche: Die Schiene verhindert, dass zu viel Druck an einer Stelle im Gebiss entsteht. Somit kann der Kiefer entspannen und verbleibt in einer gesunden Position. Die Schmerzen können reduziert werden und im besten Fall ganz verschwinden.
Stellt Ihr Zahnarzt die Diagnose CMD übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen in der Regel die Kosten für eine Therapie mit einer Aufbissschiene. Jedoch könnten für bestimmte Materialien Zusatzkosten anfallen, deshalb unbedingt vorher alles mit Ihrem Behandler abklären!

Bei chronischen Schmerzen im Kiefergelenk: Physiotherapie

Wir haben es ja oben beschrieben: Ein kleiner Zahn ist möglicherweise schuld, wenn Sie mit unerklärlichen Beschwerden zu kämpfen haben. Es wirkt sich eben auf den ganzen Körper aus. Und deswegen sollte in der Therapie auch nicht nur die eine Baustelle im Mund bearbeitet werden. Ergänzen Sie Ihre Behandlung mit physiotherapeutischen Maßnahmen wie Massagen, Gymnastik und Kälte/Wärme.

Fazit zu CMD und Fehlbiss

Migräne, Rückenschmerzen, Nackenverspannungen, Tinnitus – all das das kann eine Ursache haben, an die viele Menschen gar nicht denken: einen Fehlbiss. Ausgelöst durch Fehlstellungen im Gebiss entwickelt sich die Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD), die vielerlei Symptome nach sich zieht. Kiefergelenksschmerzen ist nur eines davon. Ein falscher Biss entsteht bei Zahnverlust, schief sitzendem Zahnersatz, Zahnabrieb durch Stress oder liegt von Geburt an vor. Korrigiert wird er wirksam mit einer Aufbissschiene.

Fotolia: #158486291 | Urheber: blackday

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Autor Rainer Ehrich

Rainer Ehrich, Erfinder der TEK-1 Prothese und ehemaliger Dentallaborbesitzer, will mit Padento Menschen helfen, fair und transparent zum Thema Zahnersatz beraten zu werden.