Warum das Zahnprovisorium so wichtig in der Therapie ist

Ob Krone, Stiftzahn, Brücke, Prothese oder Implantat – Provisorien sind immer ein wichtiger Zwischenschritt auf dem Weg zum perfekten Zahnersatz. Wichtig ist: Sie sollten wirklich nur eine gewisse Zeit im Mund verbleiben, für den Dauergebrauch sind sie nicht gemacht. Hier erklären wir Ihnen, was Sie sonst noch über die Zahnprovisorien wissen sollten.

Warum brauche ich ein Zahnprovisorium?

Zahnersatz wird immer individuell auf den Patienten angepasst, deshalb braucht die Anfertigung das Geschick des Zahntechnikers im Labor – und auch ein wenig Zeit. Ein Zahnprovisorium kommt aber auch zum Einsatz, wenn eine Behandlung sich länger hinzieht, weil eventuell Entzündungen vorliegen oder Zahnfleisch aufgebaut werden muss.

Somit leistet ein Provisorium für die Zähne gute Dienste, damit man nicht mit Zahnlücke die Praxis verlassen muss. Der vorübergehende Zahnersatz kann die Funktionalität des Gebisses sehr gut übernehmen – Essen, Sprechen, Lächeln –, aber ist eben nicht für die Dauer angelegt. Je nach Anlage unterscheidet man Kurzzeitprovisorien, die nur wenige Tage halten müssen (zum Beispiel für provisorische Kronen) und Langzeitprovisorien, die bis zu mehreren Monaten überbrücken können (zum Beispiel bei Zahnimplantaten, die erst einheilen müssen).

Ein Zahnprovisorium hat jedoch noch eine weitere Aufgabe. Es schützt bereits vorpräparierte Zähne vor schädlichen Einflüssen wie die Eindringen von Bakterien, mechanischen und chemischen Reizen, Hitze, Kälte usw. Und fast jeder kennt den heftigen Schmerz, wenn etwas auf eine offen liegende Zahnwurzel einwirkt… Das Provisorium verhindert Zahnschmerzen dieser Art.

Wie lange hält das Provisorium im Mund?

Wie erwähnt, kommt das ganz auf die Behandlung und das gewünschte Ergebnis an. Soll auf einen einzelnen Zahn lediglich eine Zahnkrone gesetzt werden, dauert es bloß einige Tage oder höchstens einen Monat zwischen dem Einsetzen des zeitweiligen Zahnersatzes und dem Einfügen des finalen.

Steht der Zahnarzt allerdings vor der Herausforderung, die Zähne des Patienten umfangreich zu sanieren, übernehmen Zahnprovisorien über viele Monate hinweg eine wichtige Funktion. Denn wenn schwere Entzündungen des Zahnfleisches vorliegen oder mehrere Zähne entfernt werden müssen, braucht der Patient auch mal Ruhephasen und der Körper Zeit zur Regeneration.

Langzeitprovisorium und Kurzzeitprovisorium

Ein Zahnprovisorium kann wie ein Zahnersatz festsitzend oder herausnehmbar sein. Zur ersten Gruppe gehört das oben genannte Provisorium bei einer Zahnkrone oder auch für einen Stiftzahn. Außerdem muss beim zeitweiligen Zahnersatz die geplante Verweilzeit beachtet werden.

Zur zweiten Gruppe zählt die Teilprothese. Sie wird unter anderem verwendet, wenn sämtliche Restzähne nicht mehr erhalten werden können, jedoch aufgrund der Belastung für den Patienten nicht alle in einer Zahnarztsitzung gezogen werden sollen. Ziel der zahnärztlichen Versorgung ist diesem Fall eine Vollprothese.

Die Klammerprothese

Obwohl sonst aus ästhetischen Gründen nicht mehr häufig verwendet: Beim Provisorium arbeitet der Behandler noch mit einer Klammerprothese als Teilzahnersatz. Dass man diese Prothesenart nicht dauerhaft benutzen sollte, wird bereits klar, wenn man die mechanischen Schäden betrachtet, die sie auf längere Sicht an den Trägerzähnen anrichtet. Sollen diese als Anker für den endgültigen Zahnersatz dienen, dürfen sie nicht zusätzlich geschwächt werden. Deshalb nochmal: Ziel der Therapie muss immer ein bleibender Zahnersatz sein!

Die Maryland-Brücke

Auch zu den herausnehmbaren Provisorien für den Zahnersatz rechnet man Klebebrücken (Marylandbrücke, Adhäsivbrücke) oder Brücken aus Nicht-Edelmetall (NEM), wobei diese auch für längere Zeit im Kiefer verbleiben können. Die Klebebrücken werden mit provisorischem Zement in der Zahnlücke befestigt; dieser kann übrigens auch mit einem schmerzstillenden Medikament versehen sein, um Zahnschmerzen nach einer Behandlung vorzubeugen.
Eine Maryland-Brücke wird im Frontzahnbereich eingesetzt und ist eine mögliche Provisoriumslösung, ehe später Implantate gesetzt werden.

Ein Langzeitprovisorium dient ebenfalls der Kontrolle der Behandlung. Zieht sich die Rekonstruktion des Gebisses über viele Monate hin, weil beispielsweise durch starke Parodontitis Zahnfleisch wieder aufgebaut werden muss, kann man mittels der Interimsprothese erkennen, ob die Kieferrelation (Wie liegen Ober- und Unterkiefer zueinander?) und die Okklusiuon (Passt beim Kauen alles optimal zusammen?) stimmen.

Die Materialien

Selbstverständlich werden an ein Langzeitprovisorium andere Anforderungen gestellt als ein eines, was nur wenige Tage im Kiefer verbleibt. Sie müssen Belastungen wie gesunde Zähne aushalten, vor allem beim Beißen und Kauen. Auch optisch sollen sie überzeugen und nicht als Zahnersatz erkannt werden. Die Materialien für diese Art des Provisoriums sind in der Regel Komposite (Kunststoffe) oder NEM, aus welchen der Zahntechniker im Labor den zeitweiligen Ersatz anfertigt.

Wie hoch sind die Kosten des Zahnersatzes?

Das kommt ganz auf die Ausführung an. Wie viele Zähne werden mit dem Provisorium überbrückt? Welches Material wird verwendet? Wie schwierig ist die Situation im Mund? Eine pauschale Aussage lässt sich so nicht treffen: Von knapp unter 100 Euro bis zu mehreren tausend Euro sind so möglich.

Ebenso gibt es vorübergehenden Zahnersatz, der in Anteilen mit dem geregelten Festzuschuss von der Krankenkasse übernommen wird – zum Beispiel bei der Überkronung eines Zahnes – und es gibt solchen, den Sie allein tragen. Dies trifft häufig auf implantatgetragenen Zahnersatz zu. Auch bei den Langzeitprovisorien beteiligt sich die gesetzlichen Krankenkasse nicht automatisch. In solchen Fällen könnte eine Zahnzusatzversicherung hilfreich sein. Wenn die Kasse jedoch einen Zuschuss leistet, dann können Sie mit einem gut geführten Bonusheft noch mehr sparen. Ein regelmäßiger Zahnarztbesuch ist schon aus diesem Grund dringend anzuraten.

Wichtig ist, dass Sie sich gut von Ihrem Zahnarzt beraten lassen. Denn immer mal wieder kommt es zu Missverständnissen bei der Abrechnung: Ein Provisorium ist eine eigene zahntechnische Arbeit und muss deshalb auch unabhängig vom endgültigen Zahnersatz betrachtet werden. Lassen Sie sich den Heil- und Kostenplan erklären, um sämtliche Abrechnungsposten zu verstehen!

Fazit

Ehe Sie Ihren neuen, dauerhaften Zahnersatz erhalten, wird in der Regel ein Zahnprovisorium eingesetzt. Dies schließt vorhandene Zahnlücken, erleichtert Essen, Sprechen, Lächeln, schützt vorpräparierte Zähne und kann sogar ein sehr wichtiger Teil der Therapie sein: als Langzeitprovisorium. Dieses kann mehrere Monate im Mund verbleiben, während ein Kurzzeitprovisorium nur einige Tage hält.

Der vorübergehende Zahnersatz wird entweder fest im Kiefer verankert oder ist herausnehmbar. Weil Provisorien sowohl für den Einzelzahnbereich (Zahnkrone, Stiftzahn) sowie auch für mehrere Zähne (Zahnbrücken) verwendet werden, schwanken die Kosten dafür enorm. Einige dieser zahntechnischen Arbeiten werden von der Krankenkasse übernommen, andere jedoch nicht. Sprechen Sie darüber vor der Behandlung mit Ihrem Zahnarzt oder kontaktieren Sie ein Dentallabor in Ihrer Nähe, welches Sie ebenfalls beraten kann.

Wurden all Ihre Fragen im Artikel geklärt? Scheuen Sie sich nicht, uns ganz einfach zu kontaktieren. Schreiben Sie uns gerne eine Mail an: info@padento.de oder rufen Sie uns einfach an unter 05141360010

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Autor Rainer Ehrich

Rainer Ehrich, Erfinder der TEK-1 Prothese und ehemaliger Dentallaborbesitzer, will mit Padento Menschen helfen, fair und transparent zum Thema Zahnersatz beraten zu werden.