Was tun, wenn der Zahnersatz nicht richtig passt?

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Was tun, wenn der Zahnersatz nicht richtig passt?

Wenn Zahnersatz nicht passt, stört das beim Kauen, Sprechen und Lachen. Anfängliche Beschwerden sind normal, weil sich der Körper erst an die „Neuen“ gewöhnen muss. Drückt es allerdings weiterhin im Mund oder bilden sich Scheuerstellen auf dem Zahnfleisch, sollten Sie aktiv werden. Hier geht es gleich um zwei wichtige Dinge – um Ihr Geld und um Ihre Gesundheit. Sprechen Sie zuerst mit dem Zahnarzt, der Sie behandelt. Dieser muss gewährleisten, dass der Zahnersatz funktioniert und bei Bedarf nachbessern. Kann der Mangel nicht behoben werden, hilft ein Gutachten. Gibt es danach keine Einigung, bleibt noch die Schiedskommission und als letzter Ausweg der Gang zum Gericht.

Betrifft das jede Art von Zahnersatz?

Kronen, Brücken und Prothesen – wenn das Beißen mit der neuen Brücke nicht funktioniert, das Implantat schmerzt oder die Krone schief sitzt, sollten Sie eine „Nacherfüllung“ verlangen. Bei einer Zahnkrone oder einer Zahnbrücke kann der Zahnarzt die Probleme meist recht schnell beheben. Häufiger sind Teilprothesen und Vollprothesen der Grund für Nachbesserungen. Erst einmal sollten Sie einige Wochen Geduld haben, wenn der neue Zahnersatz nicht gleich richtig passt. In Ihrem Mund ist er ja anfänglich ein Fremdkörper. Tragen Sie Ihren Zahnersatz weiterhin so oft wie möglich, damit die Anpassung schnell gelingt.

Was tun, wenn die Nachbesserung nicht hilft?

Das Essen schmeckt nicht mehr richtig und dann ist da immer die Angst, dass eine wackelnde Prothese beim Reden auffällt? Lassen die Beschwerden nach zwei oder drei Wochen nicht nach oder werden stärker, ist es Zeit, den Zahnarzt um Rat zu fragen. Tragen Sie aber Ihren Zahnersatz schon einige Stunden vor dem Termin! Es gibt viele Fehlerquellen bei der Anfertigung von Zahnersatz – von der Abdrucknahme über die Arbeit im Dentallabor bis hin zum Einsetzen. Geben Sie also allen Beteiligten die Möglichkeit zur Korrektur. Passt der Zahnersatz trotz mehrerer Nachbesserungen nicht oder verweigert der Zahnarzt eine Verbesserung, wenden sich gesetzlich Versicherte zwecks Gutachten zuerst an Ihre Krankenkasse.

Ein absolut sicherer Weg ist auch der Weg in ein Dentallabor in Ihrer Nähe –>> 

Gesetzlich versichert: Wer bezahlt die Nachbesserungen?

In den ersten zwei Jahren, nachdem der Zahnersatz eingegliedert wurde, muss der Zahnarzt kostenfrei nachbessern. Laut Gesetz hat der Zahnarzt das Recht und die Pflicht, den Zahnersatz bei Bedarf sogar mehrfach nachzubessern oder komplett neu anzufertigen. Die Krankenkasse verlangt daher die weitere Behandlung bei Ihrem behandelnden Zahnarzt. Achtung: Die Nachbesserung durch einen anderen Zahnarzt wird nur ausnahmsweise genehmigt – fragen Sie daher unbedingt vorher bei Ihrer Kasse nach.

Gutachten

Geprüft wird dabei die Regelversorgung sowie die gleichartige Versorgung. Das ist der Zahnersatz, für den die Kasse die Kosten ganz oder teilweise übernimmt. Schwerwiegende Mängel am Zahnersatz werden innerhalb der ersten zwei Jahre durch einen Gutachter geprüft und bewertet. Der Gutachter spricht hinterher meist auch mit Ihrem Zahnarzt. Diese für Sie kostenlose Untersuchung veranlasst die Kasse auf Ihren Antrag hin. Ebenso gibt es „Mischfälle“ wie bei der gleichartigen Versorgung, wo der Zahnersatz nicht funktioniert. Soll die Krankenkasse hier innerhalb von 36 Monaten prüfen, muss das gut begründet sein. Hintergrund ist, dass der Patient in diesen Fällen einen Teil der neuen Zähne privat bezahlt hat und der Zahnersatz damit über die Regelversorgung hinaus geht.

Die gesetzliche zweijährige Gewährleistung sowie das Verfahren durch ein Gutachten durch die gesetzliche Krankenkasse greift nur:

• Wenn die Behandlung für Zahnersatz über die Versicherungskarte mit der Krankenkasse abgerechnet wurde
• Wenn der Patient den Mangel nicht selbst verursacht hat
• Wenn der Patient den Mangel nicht selbst verursacht hat
Bei bestätigten Fehlern haben Sie Anspruch auf Nachbesserung oder auf Neuanfertigung. Die Kasse kann Ihren behandelnden Zahnarzt dafür erneut verpflichten. Einen Wechsel zu einem anderen Zahnarzt muss die Krankenkasse genehmigen. Findet ein Wechsel statt, fordert die Krankenkasse den gezahlten Festzuschuss vom Zahnarzt zurück. Der Zuschuss steht dann dem nächsten Zahnarzt zur Verfügung. Den Eigenanteil, den Ihr erster Zahnarzt von Ihnen bekommen hat, müssen Sie jedoch selbst zurückfordern. Führt das Gutachten zu keiner Einigung, können Patient und Zahnarzt die Prüfung durch die nächste Instanz bei der Krankenkasse beantragen.

Privat finanziert: Wann müssen Sie selbst aktiv werden?

Liegen Mängel bei einer andersartigen Versorgung vor, besteht kein rechtlicher Anspruch auf eine Begutachtung durch die gesetzliche Krankenkasse (zum Beispiel bei Implantaten). In diesen Fällen sowie bei Privatpatienten sind die Schlichtungsstellen zuständig; sie sind bei den Landes- oder Bezirkszahnärztekammern der Länder eingerichtet. Die Schlichtungsstellen sprechen zuerst eine Empfehlung aus; die Gutachten sind kostenpflichtig. Ein Schlichtungsverfahren kann nur dann eingeleitet werden, wenn vorher noch keine Klage eingereicht wurde. Zeigt sich der Zahnarzt weiterhin stur, muss der Patient klagen. Eine gute Alternative dazu ist die Mediation sowie das selbstständige Beweisverfahren, es dient der schnellen Beweissicherung ohne Klage. Auch die zuständige Zahnärztekammer bietet auf Antrag ein kostenfreies Gutachten an. Die Frist, in der privatrechtliche Ansprüche verjähren, beträgt drei Jahre.

Pflicht zur Mitwirkung

Bis das Verfahren durch den Gutachter beendet ist, dürfen Sie an Ihrem Zahnersatz nichts in eigener Verantwortung verändern. Eine Behandlung, um Schmerzen zu lindern, ist in dieser Zeit natürlich möglich. Wurde der Zahnersatz neu angefertigt, ist der Zahnarzt damit seiner Nacherfüllungspflicht nachgekommen und kann den mangelhaften Zahnersatz zurückfordern. Bewahren Sie den alten Zahnersatz deshalb so lange auf, bis alles geklärt ist, und fragen Sie einen Sachverständigen, wenn Sie diesbezüglich Zweifel haben.

Fazit

Mit Mängeln am Zahnersatz müssen Sie sich nicht abfinden. Um Recht zu bekommen, sollten Sie sich zeitig genug um Rat und Hilfe bemühen. Außer bei den Krankenkassen können Sie sich zunächst auch bei den Beratungsstellen der Zahnärztekammern oder Verbraucherzentralen nach der besten Lösung für Ihr Problem erkundigen. Bevor ein Streitfall vor Gericht landet, sollten Sie alle Mittel der außergerichtlichen Einigung ausgeschöpft haben.

Autor Rainer Ehrich

Rainer Ehrich, Erfinder der TEK-1 Prothese und ehemaliger Dentallaborbesitzer, will mit Padento Menschen helfen, fair und transparent zum Thema Zahnersatz beraten zu werden.