Wie man Zahnersatz bei schweren Krankheiten oder Unfällen behandeln muss

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Kronen, Brücken oder gar Prothesen – nicht immer ist das Bedürfnis nach Zahnersatz alters- oder verschleißbedingt. Zwar müssen sich die meisten Menschen früher oder später damit auseinandersetzen, gewollt herbeigeführt ist das aber nur selten. Ganz besonders, wenn plötzlich und ohne jahrelange Vernachlässigung plötzlich ein Problem vor der Tür steht: Zahnausfall und ein löchriges Gebiss. Das kann ganz verschiedene Gründe haben. Manche Krankheiten greifen gezielt die Zähne an, andere verursachen Schäden ganz nebenbei. Und manchmal ist es auch einfach die Therapie, die das Problem herbeiführt: Besonders Krebspatienten, die mit Chemotherapie und Bestrahlung gegen ihre Krankheit gekämpft haben, müssen hinterher auch mit schlechten Zähnen rechnen. Aber auch ein Verkehrsunfall kann einen kurzfristig um seine Zähne bringen. Traurig und höchst ärgerlich – aber wer übernimmt eigentlich die Kosten?

Wer übernimmt die Kosten?

Die Kostenübernahme bei Zahnersatz ist ein nervenaufreibendes Thema. Die Kassen zahlen nur 50 Prozent der Mindestmaßnahmen, ästhetische Fragen haben da keinen Stand. Wer schön sein will, muss also häufig drauf zahlen. Das ist ganz besonders ärgerlich, wenn der Zahnersatz nicht das größte Problem ist. Manche Krankheiten greifen die Zähne an, wie Karies oder Parodontose, diese können jedoch durch gute Pflege und Vorsorge unterbunden werden. Diabetes mellitus und Reflux-Krankheit sind aber ebenfalls Krankheiten, die eine Verschlechterung der Zahngesundheit zur Folge haben kann. Aber auch weit schlimmeres macht sich auf den Zähnen bemerkbar: Krebserkrankungen.

Zahnersatz nach erfolgreicher Krebsbehandlung

Bei aggressiven Therapien wie Chemo oder Bestrahlung werden häufig nicht nur die kranken Zellen zerstört. Auch gesunde Zellen fallen der aggressiven Therapie zum Opfer. Besonders, wenn im Bereich von Hals und Kopf bestrahlt wird, kann es zu sogenannten „Strahlenkaries“ kommen. Die Löcher beeinträchtigen sowohl die Funktion als auch das Aussehen der Zähne. Dazu kommt noch die Veränderung des weichen Gewebes um die Zähne herum. Häufig müssen nach einer Krebstherapie also auch die Zähne eine Rundum Erneuerung erfahren. Eine Frage der Kosmetik?

Tatsächlich nicht. Krebstherapien gehören zu den Invasivsten überhaupt. Die starken Medikamente und der Einsatz von aggressiver Strahlung verändern den Körper nachhaltig. Während der Erkrankung wird also die maximale Leistung von der Kasse abgerufen, zusätzlich, wenn die Patienten eine Zuzahlungsbefreiung erwirken und so nicht mehr zur Zuzahlung beim Kauf von Medikamenten verpflichtet sind, was bei so schweren Erkrankungen wie Krebs keine Seltenheit ist. Auch wenn der Zahnersatz eigentlich nicht unter die Bestimmungen der Zuzahlungsbefreiung zählen oder darauf angerechnet werden kann, übernimmt die Kasse unter Umständen doch die Anfertigung und Einsetzung von Zahnimplantaten, wenn es nötig ist – da es medizinisch keine andere Möglichkeit gab.

Zu den erforderlichen Umständen zählen beispielsweise die medizinische Notwendigkeit der vorherigen Behandlungsmethoden (bspw. der Bestrahlung in diesem Fall) und der klare Rückschluss der jetzigen Folgen auf die Therapie.

Ebenso muss natürlich gegeben sein, dass der Zahnersatz wirklich nötig ist. Allerdings ist das häufig der Fall: Zahnlücken sind keine kosmetische Frage – bleiben Lücken offen, kann es an dieser Stelle zu Schädigungen des Kieferknochens führen, außerdem gibt es so immer eine Eintrittsstelle für Bakterien – keine gute Ausgangslage für einen gesunden Mund. Sind die Grundlagen geklärt, kann ein Antrag an die Krankenkasse gestellt werden, die den Festzuschuss bei Zustimmung auf 100 Prozent erhöht.

Was passiert, wenn der Antrag abgelehnt wird?

Wird dieser Antrag abgelehnt, kann Widerspruch eingelegt werden. Der Fall geht dann an den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung, welcher die Sachlage prüft – kommt dieser zu einem anderen Schluss, muss die Kasse es zahlen. Kommt hingegen keine Rückantwort, kann das Sozialgericht einschreiten. Verschiedene Präzedenzfälle geben da einen klaren Entscheidungs-Rahmen.

So wurde beispielsweise in der Vergangenheit beschlossen, dass Patienten einen vollen Anspruch auf die Zahnersatzversorgung haben, wenn der Zahnersatz durch die Begleit- oder Folgeschäden einer von einem Arzt durchgeführten und zwingend notwendigen Untersuchungs- oder Behandlungsmethode erforderlich wurde. Die Kostenübernahme umfasst dann sowohl die Zahnarztbehandlung bzw. das Zahnarzthonorar als auch die zahntechnischen Leistungen sowie Labor- und Materialkosten zur Herstellung des Zahnersatzes. Häufig ist übrigens auch zeitgleich ein Ersatz vorherigen Zahnersatzes notwendig, da dieser ebenfalls durch die Strahlung in Mitleidenschaft gezogen werden kann.

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Anders sieht die Sachlage aus, wenn es um den Zahnersatz nach einem schweren Unfall geht.

Hier ist in der Regel keine ärztliche Entscheidung oder vorherige Behandlung beteiligt, die zu der Notwendigkeit des Zahnersatzes geführt hat. Stattdessen ist es eigenes oder Fremdverschulden. Oftmals kommt es noch dazu, dass Zahnverlust beim Sport passiert – die typischen Unfälle sind also in der Freizeit gesiedelt, was auch die gesetzliche Unfallversicherung aus dem Schneider nimmt. Diese jedoch wäre dazu verpflichtet, Sachleistungen bei prothetischen Behandlungen zu übernehmen. Bei der privaten hingegen kommt es auf den Tarif an.

Auch wenn Krankenhausaufenthalte und Behandlungen nach Unfällen mit dazu gehören und selbstverständlich von der Krankenkasse übernommen werden, gibt es Bereiche, die die reguläre gesetzliche Krankenversicherung nach einem Unfall nicht antastet. Das sind: Zahnersatz, Umbau des Hauses, Aufkommen für den Verdienstausfall. Auch eine Unfallrente ist nicht zu erwarten. Dafür greifen andere Versicherungen hier. Invaliditätsversicherungen, Erwerbsunfähigkeitsabsicherung und auch die Unfallversicherung springen also ein, wenn ein Unfall plötzlich alles verändert.
Aber: Nicht alle Unfälle enden gleich mit dem Schlimmsten. Oft handelt es sich tatsächlich nur um einen ausgeschlagenen Zahn, der durch einen unglücklichen Sturz verursacht wurde. Die schlechte Nachricht: Zahnersatz hängt auch bei der Unfallversicherung ganz vom individuellen Tarif ab, kann aber übernommen werden. Die gute Nachricht: Nicht jeder ausgeschlagene Zahn braucht Ersatz, häufig kann dieser auch einfach wiedereingesetzt werden. Das trifft insbesondere dann zu, wenn der verlorene Zahn sofort geborgen und in eine entsprechende Lösung gegeben wird.

Geeignet zur Zahnrettung sind beispielsweise

  • kalte H-Milch
  • sterile Kochsalzlösung
  • eine Zahnrettungsbox

Wichtig ist bei der Bergung selbst, dass der Zahn nur an der Krone und nie an der Wurzel gepackt wird. Nur so können Verunreinigung mit schädlichen Bakterien verhindert werden. Ebenso darf er weder abgespült noch lose in der Mundhöhle behalten werden. Die Gefahr, ihn zu verschlucken wäre zu hoch und auch das Bakterienklima ist nicht das richtige für die empfindliche Zahnwurzel.
Ist der Zahn in Sicherheit, geht es tatsächlich um Minuten. Die Zahnwurzel und die Nerven im Zahn sind sehr empfindlich. Eine lange Zeit außerhalb der richtigen Stelle halten sie nicht aus, weswegen es möglichst schnell zum Zahnarzt gehen sollte. Dafür muss es nicht der Stammzahnarzt sein: Jeder wird in einem solchen Notfall bereit sein, zu helfen. Das gilt auch im Ausland – der nächste Zahnarzt oder eine entsprechende Klinik ist in dem Fall die beste Lösung. Im Urlaub sollten die Hotelmitarbeiter Auskunft über den nächstgelegenen Zahnarzt geben können. Um die sprachliche Barriere beim Zahnarztbesuch im Ausland zu verringern, hat die Initiative proDente einen Sprachführer herausgegeben. Wer sich den im Vorfeld ausdruckt und einfach auf Verdacht in den Koffer legt, ist auf der sicheren Seite – besonders mit Kindern. Aber gerade an beliebten Urlaubsorten findet sich häufig auch ein deutschsprachiger Zahnarzt.

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Fazit:

Hat all das nicht geklappt, wird eine Anpassung des Zahnersatzes wohl nicht ausbleiben. Egal ob nach einem Unfall oder durch Verschleiß und Vernachlässigung – wird Zahnersatz durch das Nicht-Verschulden eines Arztes nötig, muss dieser auch zum regulären Satz gezahlt werden. Die Kosten dafür, abgesehen vom Zuschuss der gesetzlichen Krankenkasse, sind selbst zu tragen. Ob das dann noch im Urlaubsland oder beim Stammzahnarzt geschieht, ist dem Patienten überlassen. Das Wichtigste ist, dass am Ende die Zähne gesund erhalten werden und der Zahnersatz richtig sitzt. Nur so ist auch nach schweren Krankheiten, einem Unfall oder einem sonstigen Verlust der natürlichen Zähne ein rundum gutes und sicheres Gefühl im Mund zu erreichen.

Autor Rainer Ehrich

Rainer Ehrich, Erfinder der TEK-1 Prothese und ehemaliger Dentallaborbesitzer, will mit Padento Menschen helfen, fair und transparent zum Thema Zahnersatz beraten zu werden.