Doppelter Festzuschuss: 100% Kostenübernahme beim Zahnersatz ist möglich

Doppelter Festzuschuss

Mit der Einführung von Zuschüssen für den Zahnersatz änderte sich 2005 eine ganze Menge für Patienten, die eine Krone, Brücke, Prothese oder Implantate benötigten. Sie wurden nun in ihrer Wahlfreiheit gestärkt, auf welche Art der Versorgung sie zurückgreifen wollten. Denn die gesetzliche Krankenkasse bindet ihre Mitglieder nicht an einen bestimmten Zahnersatz – möchten Sie beispielsweise lieber eine ästhetisch hochwertigere Lösung? Kein Problem, auch Implantate werden bezuschusst.

Wie errechnet sich der Festzuschuss?

Doch zugrunde gelegt wird immer die Standard-Behandlung: Was kostet diese bei einem bestimmten Befund? 50% dieser Kosten werden von der Krankenkasse übernommen.

Das bedeutet aber auch: Am Betrag, den die Kasse zur Verfügung stellt, dem sogenannten befundorientierten Festzuschuss, ändert sich nichts. So wären zum Beispiel für ein Frontzahnlücke mit vier nebeneinander fehlenden Zähnen (je Kiefer) 453,38 Euro an Zuschuss möglich. Diese Lücke könnten Sie mit einer Brücke füllen, sich aber auch für Implantate entscheiden. Trotzdem bliebe es seitens der Kasse beim genannten Betrag. Ihre Eigenleistung ist also entsprechend höher.

Was ist der doppelte Festzuschuss?

Das wiederum ist die Crux: Zahnersatz kostet erstmal viel Geld in Deutschland, weil Qualität hier wirklich ihren Preis hat. Aber auf lange Sicht ist Zahnersatz aus Deutschland seinen Preis wert. Es gibt allerdings viele Menschen, die nicht in der Lage sind, auch nur die fehlenden 50% der Standard-Behandlung aufzubringen.

Für diese Patienten kann eine Härtefall-Regelung greifen, um 100% Kostenübernahme zu erreichen – eben den doppelten Festzuschuss. Klar ist dabei allerdings auch, dass es dann nur um die Regelversorgung geht. Extrawünsche können nicht berücksichtigt werden: Diese müssen Sie wiederum aus eigener Tasche bezahlen.
Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr müssen zur Standardtherapie generell nichts hinzuzahlen.

An welche Bedingungen ist der Zuschuss geknüpft?

Vom doppelten Festzuschuss profitieren können Menschen, die ein sehr niedriges Einkommen haben. Auch Studenten, die BAFÖG beziehen, sowie Patienten, die Sozialhilfe, Arbeitslosengeld II oder Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts erhalten, haben die Möglichkeit, den zweifachen Zuschuss zu erhalten.

Die Gehaltsgrenze liegt in 2016 bei 1.162 Euro brutto im Monat (für Alleinstehende). Bei Familien gelten etwas höhere Werte, die in jedem Jahr neu von den Krankenkassen festgelegt werden.

Tipp: Liegen Sie ganz knapp über der Einkommensgrenze lohnt es sich, bei Ihrer Krankenkasse nach einer Kulanzregelung (gleitende Härtefallregelung) zu fragen. Nicht in jedem Fall entscheiden die Kassen nämlich nur nach Aktenlage…

Wie und wo stelle ich den Antrag auf doppelten Festzuschuss?

Möchten Sie eine Härtefallregelung in Anspruch nehmen, ist immer ein gesonderter Antrag bei Ihrer zuständigen Kasse zu stellen. Oftmals können Sie das online erledigen oder Sie fragen bei Ihrer örtlichen Vertretung der Krankenkasse nach. Auch der Heil- und Kostenplan Ihres Zahnarztes sollte dabei nicht fehlen. Also erst in die Praxis, dann zur Kasse.

Wichtig: Es müssen alle Einnahmen mit Belegen aufgeführt werden, zum Beispiel auch Krankengeld oder Betriebsrenten. Die Einnahmen weiterer, im Haushalt lebender Familienmitglieder fließen ebenso in die Berechnung mit ein.

Ein gebotener Hinweis: Nur weil Patienten von Zuzahlungen zu Arznei- und Heilmitteln befreit sind, fallen sie nicht automatisch unter die Härtefall-Regelung. Auch diese Menschen müssen einen Antrag auf doppelten Festzuschuss stellen.

Was kann ich tun, wenn ich nicht zu den Härtefällen gehöre?

Das Bonusheft gut führen! Ihr Heft für den halbjährlichen Zahnarztbesuch bringt Ihnen richtig viel Geld, wenn Sie es regelmäßig abstempeln lassen. Können Sie anhand des Bonusheftes lückenlos nachweisen, dass Sie in den vergangenen 5 Jahren die Vorsorgeuntersuchungen beim Zahnarzt wahrgenommen haben, erhalten Sie auf den einfachen Festzuschuss bei Zahnersatz nochmals 20%.
30% werden es gar, wenn Sie das Bonusheft über 10 Jahre vollständig vom Zahnarzt ausfüllen lassen.

Fazit

Auch ein geringes Einkommen ist kein Grund für schlechte oder schmerzende Zähne! Eine komplette Kostenübernahme für Zahnersatz ist ebenfalls für Menschen mit wenig finanziellem Spielraum möglich.

Die gesetzlichen Krankenkassen legen in jedem Jahr neue Einkommensgrenzen fest, nach denen der doppelte Festzuschuss – also 100% der Regelversirgung – zum Zahnersatz gezahlt werden kann. Notwendig ist ein gesonderter Antrag bei der Kasse sowie Einkommensnachweise.

Fallen Sie nicht unter die Härtefallregelung, ist es trotzdem ratsam, sich mit Ihrer Krankenkasse bezüglich einer weiterreichenden Kostenerstattung in Verbindung zu setzen. Nützlich ist zudem das Führen des Bonusheftes, welches die regelmäßigen Untersuchungen beim Zahnarzt dokumentiert und für mehr Prozente bei der Kostenübernahme sorgt.

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Autor Rainer Ehrich

Rainer Ehrich, Erfinder der TEK-1 Prothese und ehemaliger Dentallaborbesitzer, will mit Padento Menschen helfen, fair und transparent zum Thema Zahnersatz beraten zu werden.