Achtung: Parodontitis ist ansteckend – so schützen Sie sich

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Bakterien sind die Auslöser des weit verbreiteten Zahnfleischschwundes. Deshalb ist die Parodontitis auch ansteckend. Die Entzündung löst allerdings weder besorgniserregende Erkrankungswellen aus, noch “springt” sie leicht von Mensch zu Mensch. Hier erfahren Sie, wie die Parodontitis übertragen werden kann und was Sie davor schützt.

Was ist eine Parodontitis? Kurz erklärt:

Mehr als 600 Bakterien leben in unserem Mund, aber das auch aus gutem Grund. Sie sind dort dafür zuständig, sich im ersten Schritt um die Verarbeitung unserer Nahrung zu kümmern, auf dass der Mensch die nötige Energie bekommt.

Nicht alle sind potentiell gefährlich, einige Arten jedoch schon. Es gilt also, das übermäßige – sprich krankmachende – Wachstum dieser Bakterien zu verhindern. Finden die Bakterien zu viel Nahrung, vermehren sie sich und lösen Entzündungen aus.

Im Mund passiert das, wenn sich am Zahnfleischrand Beläge (Plaque) sammeln, die nicht regelmäßig durchs Zähneputzen entfernt werden. In diesem Biofilm siedeln sich die Bakterien an und setzen Stoffwechselprodukte frei. Es bilden sich Zahnfleischtaschen und eine Gingivitis, eine Zahnfleischentzündung, entsteht. Greift diese auf den Zahnhalteapparat (Parodontium) über, der aus Alveoloarknochen, Wurzelhaut, Wurzelzement und Zahnfleisch besteht, und schädigt ihn, spricht man von einer Parodontitis. Diese verläuft in Schüben – und rund 80% der Deutschen sind davon betroffen.

Ursache ist also vor allem eine unzureichende Mundhygiene, die das übermäßige Vermehren der Bakterien zulässt. Andere Auslöser können eine genetische Vorbelastung oder Erkrankungen wie Diabetes mellitus und weitere Stoffwechselstörungen sein. Zudem haben Raucher ein bis zu 6fach höheres Risiko, an der Zahnfleischentzündung zu erkranken.

Wie werden die Parodontitis-Bakterien übertragen?

Die Übertragung der Bakterien erfolgt

  1. durch direkten Kontakt, beispielsweise beim Küssen
  2. durch indirekten Kontakt, unter anderem, wenn zwei Personen dieselbe Zahnbürste benutzen

Sehr unwahrscheinlich ist eine Übertragung durch Tröpfchen-Infektion. Anhusten und Parodontitis bekommen – davor müssen Sie also keine Sorge haben.

Was sind die Folgen einer Parodontitis?

Wird die Erkrankung nicht behandelt, führt sie zunächst zu Zahnschmerzen. Im weiteren Verlauf bildet sich das Zahnfleisch zurück, was bis zum Kieferknochenschwund reicht. Es droht Zahnverlust.

Weil es sich aber um eine Entzündung handelt, die sich durch Bakterien im ganzen Körper verbreiten kann, sind auch weitere schwerwiegende Folgen möglich. So steigt die Gefahr für Diabetes mellitus, einen Schlaganfall oder Herz-Kreislauferkrankungen.

Wie kann ich mich vor Ansteckung schützen?

Leider wird Parodontitis oft erst recht spät entdeckt. Wichtig ist deshalb, erste Anzeichen ernst zu nehmen:

  • Zahnfleischbluten
  • Reizempfindlichkeit bei Wärme und Kälte
  • Mundgeruch (entsteht durch die Bakterien in den Zahnfleischtaschen)

Stellen Sie diese fest, gehen Sie bitte zügig zu einem Zahnarzt. Damit helfen Sie natürlich in erster Linie Ihrer Zahngesundheit, aber sorgen auch dafür, dass es gar nicht erst zur weiteren Ausbreitung der Parodontitis kommt, weil die Entzündung mit einer Therapie bekämpft werden kann.

Die wichtigsten Regeln:

  • Jeder hat seine eigene Zahnbürste! Benutzen Sie auf keinen Fall die Bürste Ihres Partners oder Kindes bzw. umgekehrt!
  • Tauschen Sie die Bürsten regelmäßig aus! Zahnärzte raten oft, mindestens alle 3 Monate die Bürste zu wechseln. Sie dürfen das gern öfter: Alle 6 Wochen ist auch ein guter Rhythmus. Spätestens, wenn die Borsten ausgefranst sind, wird es Zeit für ein neues Modell. Bei elektrischen Zahnbürsten wird der nötige Wechsel oft durch eine Farbveränderung im Bürstenkopf angezeigt.
  • Auch sämtlich andere Pflegeartikel wie Interdentalbürste oder Zahnputzbecher sollten immer nur von einer Person genutzt werden. Gleiches gilt für Besteck, Gläser usw.
  • Wer unter einer akuten Parodontitis leidet, ist gut beraten, eine Kuss-Pause einzulegen, zumindest, was die etwas leidenschaftlichere Variante betrifft….
  • Lassen Sie die Entzündung ausheilen, um sich nicht unvorsichtigerweise wieder und wieder anzustecken. Außerdem ist es sehr hilfreich, den Partner (oder das Kind) mit in die Therapie einzubeziehen, um erneute erneute Ansteckung zu vermeiden. Übrigens auch, wenn diese bislang noch keine Symptome zeigen!

Das oberste Gebot: Korrekte Mundhygiene!

Sie müssen aktiv mithelfen, die Parodontitis in den Griff zu bekommen. Halten Sie sich an die Putz- und Pflegeempfehlungen Ihres Zahnarztes: Mindestens zweimal täglich drei Minuten die Zähne nach dem KAI-Prinzip reinigen (K=Kauflächen, A=Außenflächen, I=Innenflächen). Die Zahnzwischenräume bitte nicht vergessen!

Und wer regelmäßig zu Vorsorgeuntersuchungen geht, dessen Risiko sinkt rapide, an einer massiven Zahnfleischentzündung zu erkranken. Allein schon, weil einen der Behandler an den nächsten Termin für die professionelle Zahnreinigung erinnert…

Kostenloser Test zur Früherkennung der Parodontitis

Weil durch das Krankheitsbild auch erhebliche Folgekosten auftreten können, wenn die Parodontitis unerkannt und unbehandelt bleibt (siehe oben), haben die gesetzlichen Krankenkassen ein Interesse daran, möglichst früh mit der Behandlung zu beginnen. Deshalb übernehmen sie alle zwei Jahre einen Test zur Parodontitis-Früherkennung – den Parodontalen Screeing Index (PSI). Auf einer Skala von 0 bis 4 wird ermittelt, ob und wie stark die Erkrankung vorliegt (0 = gesundes Zahnfleisch, 4 = schwere Parodontitis).

Fazit

Da es sich bei der Parodontitis um eine von Bakterien ausgelöste Entzündung des Zahnhalteapparates handelt, ist die Erkrankung in der Tat ansteckend. Das kann direkt (über den Speichel) oder indirekt (über gemeinsam benutze Zahnbürsten zum Beispiel) erfolgen.

Am besten schützen Sie sich mit einer guten Mundhygiene und einigen Vorsichtsmaßnahmen, sollte in Ihrem Familienumfeld eine Parodontitis auftreten. So ist es wichtig, regelmäßig die Zahnbürsten auszutauschen und bei einer akuten Entzündung auch für eine gewisse Zeit aufs Küssen zu verzichten.

Um es gar nicht erst soweit kommen zu lassen, sorgen Sie mit halbjährlichen Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt vor und achten Sie auf erste Anzeichen einer Zahnfleischentzündung wie beispielsweise Zahnfleischbluten.

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Autor Rainer Ehrich

Rainer Ehrich, Erfinder der TEK-1 Prothese und ehemaliger Dentallaborbesitzer, will mit Padento Menschen helfen, fair und transparent zum Thema Zahnersatz beraten zu werden.