Was muss die Zahnzusatzversicherung für Sie leisten?

zahnzusatzversicherung

Es ist ein weites Feld – manche würden gar sagen: ein tückisches Terrain – auf welches man sich begibt, wenn es um den Abschluss von Zahnzusatzversicherungen geht.

An die 200 Policen stehen in Deutschland derzeit den Versicherten zur Auswahl, so dass es bereits Portale gibt, die sich ausschließlich mit dem Vergleich der aktuellen Merkmale dieser Assekuranzen beschäftigen.

Ich möchte Ihnen in diesem Beitrag deshalb in Kurzform zeigen, welche Punkte Sie im Vorfeld bei der Auswahl der für Sie richtigen Zahnzusatzversicherung beachten sollten und was diese leisten muss, damit Sie optimal vorbereitet sind.

Da Privatpatienten ihre speziellen Anforderungen in ihrem Vertrag regeln, beziehen sich die Hinweise zum überwiegenden Teil nur auf die Angehörigen der gesetzlichen Krankenkassen.

Ist die Zahnzusatzversicherung nötig? Und für wen?

Zahnbehandlungen, Zahnersatz und Kieferorthopädie können oft richtig ins Geld gehen. Denn Schönheit muss man sich in dem Bereich erkaufen: Die zahnschonenderen und ästhetisch wertvolleren Lösungen sind im Katalog der Kassen meist nicht vorgesehen und werden privat über die Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) abgerechnet.

So ist zum Beispiel ein Implantat bei Zahnverlust eher zu empfehlen anstatt einer Brücke, für die gesunde Zähne beschliffen und mit Krone versehen werden müssen. Trotzdem gewährt die Kasse für beide Therapieformen nur einen Festzuschuss, die Mehrausgaben liegen in der Verantwortung des Patienten. Und beim Implantat sind sie nun einmal recht hoch.

Eine Zahnzusatzversicherung ist deshalb als private Ergänzungsvorsorge wirklich sinnvoll, eben weil sich die Kassen nur an der Regelversorgung (Basisversorgung) beteiligen. Mit der Versicherung können Sie finanzielle Lücken schließen und auch für kommende Jahre vorbauen. Wir behalten heute unsere Zähne länger und in besserem Zustand als früher, doch irgendwann altert auch unser Gebiss. Werden in Ihrem Mund dann doch “Reparaturen” nötig, bleiben Sie nicht auf Ihrem hohen Eigenanteil der Kosten sitzen.

Im Idealfall schließen Sie deshalb diese Art der Versicherung schon in jungen Jahren ab, wenn Sie sich günstige Prämien sichern können und auch noch über gesunde Zähne verfügen.

Interessant für Sie ist die Versicherung, wenn Sie Leistungen möchten im Bereich von:

  • Prophylaxe, zum Beispiel der professionellen Zahnreinigung
  • Zahnbehandlungen, die nicht in der Regelversorgung involviert sind
  • Zahnersatz, zum Beispiel bei Implantaten
  • Kieferorthopädie, weil Behandlungen von Fehlstellungen nur bis zum 18. Lebensjahr komplett von der Kasse übernommen werden

Was muss vorab geklärt werden?

Nicht nur der Preis ist entscheidend, sondern vor allem, was Sie individuell benötigen. Noch ehe Sie sich ins Vergleichsgetümmel stürzen, gilt es einige Hinweise beachten.

Bisherige Police überprüfen

Das Angebot der Versicherer ist aufgrund des Bedarfs sehr stark angewachsen – und viele gute Versicherungen sind hinzu gekommen. Haben Sie schon eine Zahnzusatzversicherung, lohnt es sich, auch mal die alte Police zu checken.

Vielleicht bietet Ihre Gesellschaft inzwischen günstigere Tarife an. Wechselt man innerhalb des bisherigen Versicherers, stellt man sich oft günstiger, weil man die Altersrückstellung mitnehmen kann und Wartezeiten sowie Leistungsbegrenzungen nur für die zusätzlich aufgenommenen Bereiche gelten.

Wartezeit einkalkulieren

Dies ist nämlich ein wichtiger Punkt beim Zahnzusatz: In der Regel gibt es eine Wartezeit von 8 Monaten, ehe man überhaupt Zuschüsse zur Rechnung bezahlt bekommt. Außerdem sind die Kosten zur Übernahme eine gewisse Zeit gedeckelt. Aber auch hier hat sich etwas getan und einige Assekuranzen bieten Verträge ohne lästiges Warten an.

Kein Zuschuss bei laufender Behandlung

Doch es gilt: Für laufende Behandlungen wird nichts gezahlt. Dabei zählt für die Kassen schon der in der Krankenakte fixierte Ratschlag des Zahnarztes, demnächst einen Zahn behandeln zu lassen! Manche Kassen bestehen vorab auf einem Gesundheitsfragebogen bezüglich der Zähne. Jedoch erfolgt eine Ablehung für eine Police nur in äußerst seltenen Fällen.

Sie müssen sich im Vorfeld überlegen:

  • Wollen Sie einen Komplettschutz für Ihre Zähne oder nur einen Teil anstehender Behandlungen versichern?
  • Brauchen Sie sofort eine Therapie oder steht erst etwas in drei bis fünf Jahren an?
  • Ist Ihnen Vorsorge wichtig, weil Sie noch jung sind?
  • Sollte Kieferorthopädie eingeschlossen sein?
  • Haben Sie beachtet, das mit zunehmendem Alter oft auch die Beiträge für die Versicherungen steigen (Tarife nach Art der Schadenversicherung)?
  • Können Sie auch höhere Beiträge verkraften? Denn die Versicherer dürfen auch in laufenden Verträgen mehr verlangen (dann haben Sie jedoch auch ein außerordentliches Kündigungsrecht).

Wer bietet Zahnzusatzversicherungen an?

Von der Grundversorgung bis zum High End-Zahnersatz ist alles möglich. Versicherer in ganz Deutschland von A bis Z haben Zahnzusatzversicherungen im Programm. Auch aus dem angrenzenden Ausland stoßen deutschsprachige Anbieter auf den Markt.

Es ist pauschal nicht zu bestimmen, wer die Nummer 1 unter den Assekuranzen ist, weil die Bedürfnisse eines jeden Versicherungsnehmers unterschiedlich sind. Sie können sich auf Vergleichsportalen im Internet innerhalb weniger Sekunden ausrechnen lassen, welche für Sie individuell am besten passt. Führend hierbei ist die Waizmanntabelle.

Worauf sollte man in der Police achten?

An dieser Stelle ist es nicht möglich aufgrund der hohen Angebotszahl am Markt sowie den sehr individuellen Ansprüchen an eine Versicherung Empfehlungen für bestimmte Produkte auszusprechen.

Jedoch sollte man vor Unterschrift der Police überprüfen, ob man wichtige Punkte bedacht hat:

  • ein möglichst schneller Beginn der Leistungsübernahme (keine Wartezeit)
  • mindestens 70% Übernahme der Zahnbehandlungen und des Zahnersatzes abgesichert – auf die gesamte Rechnung bezogen (nicht bloß auf die Regelversorgung der Krankenkasse!)
  • keine Gesundheitsfragen vorab
  • Erstattung bis zum 3,5fachen Höchstsatz nach GOZ inklusive
  • keine Begrenzung der Anzahl für Inlays und Implantate, auch wenn sie später erneuert werden müssen
  • Krankenkasse muss nicht in Vorleistung gehen (also kassenunabhängig versichern)
  • auch schon im ersten Jahr sehr gute Leistungen (keine zu geringe Deckelung oder Staffelung)
  • Knochenaufbau bei Implantaten sollte inklusive sein
  • Funktionsdiagnostik bei Zahnersatz sollte inklusive sein
  • Keramikverblendungen für die Backenzähne inklusive
  • Wurzel- und Parodontosebehandlungen sowie Prophylaxe, die über die Regelversorgung hinausgehen, sind eingeschlossen
  • fehlende Zähne sollten mitversichert sein (bereits ersetzte wie Implanate zählen nicht als fehlend)
  • das Kleingedruckte lesen: Versicherer beziehen sich oft bei 100% Übernahme auf die Regelversorgung nicht die hochwertige Versorgung!
  • Bei noch guten Zähnen kann man die Staffelungen der Leistungssummen wählen und zum Beispiel über fünf Jahre strecken
  • Sind Altersrückstellungen nötig? Das bedeutet einen höheren Beitrag in jungen Jahren, um für später anzusparen; aber als junger Mensch hat man oft nicht so viel Geld (eventuell dafür einen Extrasparplan oder Konto anlegen).

Fazit

Wegen der hoch komplexen Problematik und der schieren Anzahl der möglichen Versicherungen, ist es nicht möglich, eine pauschale Aussage zu treffen, welche Absicherung genau für Sie die richtige ist. Umso wichtiger ist die optimale Vorbereitung für die Suche nach einer passenden Zahnzusatzversicherung.

Denn auf jeden Fall kann zum Abschluss einer solchen geraten werden. Die Kassen übernehmen einen nur geringen Teil der Kosten, sollten aufwendigere und teurere Behandlungen wie Implantate oder Keramikverblendungen nötig sein.

Dabei gilt: Je früher Sie die Versicherung abschließen und je besser Ihr Zahnstatus ist, umso geringer fallen die Beiträge aus. Fest steht auch, dass die Zuschüsse der gesetzlichen Krankenkassen eher schrumpfen als steigen, weshalb bei einer größeren Reparatur leicht tausende von Euro fällig werden können.

Hier greift im Idealfall die Zahnzusatzversicherung. Inklusive sein sollte darin deshalb (immer über die Regelversorgung hinaus!):

  • Zahnersatz
  • Zahnbehandlungen
  • Prophylaxe
  • eventuell Kieferorthopädie

Im Internet finden Sie verschiedene Rechner, in denen aufgrund Ihrer individuellen Parameter die geeigneten Versicherungen angezeigt werden. Beachten Sie aber unbedingt, dass laufende Behandlungen nicht erstattet werden. Also lieber vor dem nächsten Zahnarztbesuch über die Versicherung informieren und sich absichern.

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Autor Rainer Ehrich

Rainer Ehrich, Erfinder der TEK-1 Prothese und ehemaliger Dentallaborbesitzer, will mit Padento Menschen helfen, fair und transparent zum Thema Zahnersatz beraten zu werden.